Dienstag, 13. Februar 2024

Orgelbaumeister NICOLAUS SCHRICKEL * EILENBURG

 Eilenburg´s Orgelbauerscene ist momentan noch nicht eingehend erkundet und es gibt zu wenig ungesichtete Artefakte in Archiven darüber. 3 Orgelbaumeister sind definitiv belegt, davon zwei sogar zur gleichen Zeit im selben Ort mit ihren Firmen tätig. 

Buckau bei Herzberg

Ich stelle heute den schillerndsten und doch im Schatten des Anderen stehenden Orgelbaumeister vor : NICOLAUS SCHRICKEL. Lange waren die Lebensdaten nicht komplett bekannt, ich forschte nach mit Hilfe vom befreundeten Organisten Hans-Jürgen Freitag in Ilmenau und wiederum sein Freund, Thomas Weiss, der Archivarbeit betreibt, dieser wurde fündig. Aus der Forschung ergibt sich:

Nicolaus Schrickel war kein Eilenburger, er wuchs in Unterpörlitz bei Ilmenau auf. Am 15.3.1820 erblickte er das Licht der Welt und wurde 4 Tage später am 19.3.1820 in der alten Kirche im Ort getauft. So sagt es das Taufbuch des Dorfes. Wie er nach Eilenburg kam ist ungewiss, er durchlief die Orgelbauerlehre beim ansässigen Eilenburger Orgelbaumeister Louis Weineck, der 1844 überraschend nach Bayreuth übersiedelte. Wahrscheinlich gab es Querelen mit der königlichen Regierung und er floh.

freistehender Spieltisch evtl. Op.2 Battaune

op. 2 Battaune bei Eilenburg, vrgl. Gehäuseform mit Lissdorf.

 Schrickel absolvierte die Meisterprüfung und übernahm die Werkstatt. Ein weiterer Schüler und Lehrling Weinecks war zu der Zeit gerade auf Wanderschaft und kehrte später heim, Conrad Geissler - und machte sich auch in seiner Heimatstadt selbstständig. Im Jahre 1845 bekam Nicolaus Schrickel das Bürgerrecht der Stadt Eilenburg. Seit dieser Zeit bis in sein Todesjahr 1893 sollen laut Fachzeitschriften mehr als 60, einige sprechen sogar von mehr als 100 Instrumenten, entstanden sein. 

Firmenstempel

Es wurde bisher noch kein Werkeverzeichnis erstellt, Kollege Daniel Ulrich und ich erstellten vorab ersteinmal eines... zumal viele seiner Orgeln in kleinen bis kleinsten Orten und Kirchen zu finden sind, viele nur mit 4-6 Register groß und angehängtem Pedal. hier der Link: Schrickel Opus Verzeichnis
Titelseite eines Angebotes


Aufträge kamen auch vom damals mit vollen Auftragsbüchern überlasteten Friedrich Ladegast in Weissenfels.

Lissdorf bei Eckartsberga, im Auftrag von F. Ladegast.

Im Jahr 1858 erschuf er sein größtes Werk, die Orgel für seine Heimat, für die Jakobskirche in Ilmenau mit einem beeindruckenden Gehäuse, dort ausgeführt von Tischler Fleischhack, welches heute noch besteht.(heute: Walcker Orgel op.1609 von 1911 darin) Mit diesem Werk übernahm er sich finanziell und auch technisch, schwere Schicksalsschläge trafen ihn zu dieser Zeit im Kreise seiner Familie, so weiss es die Festschrift der Ilmenauer Orgel von 1911!
Ilmenau Jakobskirche. Bild zeigt die alte Schrickel-Orgel siehe Spielschrank. ©Photo vor 1911, by Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg: WABW_Bü 1938_2

Unaufhörlich strebte er dennoch vorwärts. Am 13.5.1893 verstarb Orgelbaumeister Johann Nicolaus Schrickel und wurde in Eilenburg beigesetzt. Nun zum Werk: Als erstes: Gehäuse.
Tornau bei Bad Düben

Die Prospekte seiner Orgeln sind sehr oft verspielt, reich verziert und bemalt in feinster Biedermayer-Neoromanik-Klassizismus Manier. Einige weisen strenge Formen von Neugotik auf. 
Kühnitzsch bei Wurzen

Intonatorisch war er anderen weit vorraus, man hört förmlich seine thüringer Heimat. Absolut frische Principale in allen Lagen 8'4'2' begegnen uns, die tragfähig sind und "singen". Beeindruckend ist Viola di Gamba8' intoniert mit scharfen Strich und kraftvoller Lautstärke. Die Flöten sind von wärmster Schönheit. Hohlflöte ist klassisch derb vollmundig. Die Flauto traverso8' wurde in aufwendiger gedrechselter Form aus Nadelholz hergestellt und begegnet einem oft an seinen Instrumenten.

"Flöte traverse 8' " hier in Obernitzschka

Amabile 4' flötiger Ton feinste Nuancíerung zu den anderen 8' Fuß Registern. Ein besonderes Register ist die Flöte "Allemande" 8' oder 4' mit besonders schöner Färbung und Flötenton. Die Mixtur, meist 3 fach oder 4fach ist kräftig bis gewaltig auftragend. Der Repetitionspunkt liegt ungewöhnlich bei Fis.
Schnaditz, Orgel über dem Altar, heute Opus 1 von E.F. Köhler - Pretzsch 1933

Die Metallpfeifen weisen eine hohe Herstellungsgüte auf und sind hervorragend hergestellt. Die Holzpfeifen sind im selben Maße pinibel sauber gefertigt. Leider hatte der Meister zu seiner Zeit nicht allzugutes Material zur Verfügung, heute sind viele Pfeifen von Wurm zerfressen oder gehen aus dem Leim. Die Windladen sind allesamt als Schleifladen ausgeführt. Für die Ventilzugdurchführungen wurden keine Lederpulpeten sondern Bleiplatten verwendet, welche heute zu einigen Störungen führen. Abstrakten wurden als Rundstäbe ausgeführt, später flach. 

Rundabstrakten, Innenleben der Orgel in Paschwitz bei Eilenburg


Ein Markenzeichen seiner Orgeln sind die vielen freistehenden Spieltische direkt vor den Instrumenten. Aber auch Instrumente mit einschiebbaren Spielschranktüren wurden oft geliefert. Bemerkenswert und von absoluter Schönheit zeugen die Registerzüge vieler Orgeln. Ausgeführt in vollem weissen Porzellan mit edler Frakturbeschriftung- keine gedrechselten Registerknäufe!  Dazu die Bemalung der Registerstaffeleien.  

Registerzüge aus Porzellan, Roitzsch bei Torgau.

Ein Registerzug, die "Schwebung" ist ein Tremulant, meist zur Flöte 8'.

Roitzsch bei Torgau.

An einigen Prospekten hat der Meister sich selber verewigt, er war auch Holzbildhauer und Bildschnitzer. Davon zeugen seine überreich verzierten Orgelgehäuse. So weiß es u.a. die Chronik in Oberglaucha und ich hörte soetwas in anderen Orten auch bei meinen Orgelbesuchen.

Selbstbildnis v. Schrickel in Wöllnau

Selbstbildnis v. Schrickel in Oberglaucha


Heute kommen uns Schrickel-Orgeln eher ungepflegt, unspielbar oder schlecht restauriert und klapprig mit Fehlern daher. Man muß sagen,die Mechanik ist filigraner und störanfälliger. Aber eine fehlende Wertschätung dieser Instrumente die durchaus auf hohem Niveu gefertigt wurden sind ist auf dem Plan.

freistehender Spieltisch in Kolochau bei Herzberg/Elster

Abschließend sollte gesagt werden das Seine Instrumente - so kontrovers er auch baute - qualitativ auf gleicher Höhe mit denen seines Konkurrenten Geissler stehen müssen, Geißler baute handwerklich schwer und solide, Schrickel filigran und spielerisch. Außer die Gebläseanlage. Die Einfaltenbälge reichen für seine Orgeln nicht unbedingt aus. Hier baute er auch etwas, was besonders ist: die Schöpfanlage, sie wirkt wie texanische Erdölpumpen.
alte Schöpfanlage hier in Oberglaucha.


Die richtige Restaurierung macht es, dann erstehen die unendeckten Werke Schrickels zu neuem Leben und vermitteln-trotz all seiner Trauer in seinem Leben-Spielfreude und Schönheit des Tones. 


Copyright Bilder bei Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg Bild Ilmenau, alle weiteren Bilder: Archiv Christian Schmidt, Pressel

Montag, 14. August 2023

Schuster&Sohn-Zittau und Rühlmann

 

Was hat eine Firma aus dem entlegendsten Zipfel von Sachsen, Zittau, mit der mitteldeutschen Orgelbaufirma Rühlmann zu tun?

Hier zur Vorgeschichte. 

Der letzte Lehrling bei Firma Rühlmann, Erwin Lägel, ein Neffe des Werkführers Wilhelm Gronau, erlernte den Beruf des Orgelbauers in Zörbig. 1920 in Eilsleben / Börde geboren, welches auch sein späterer Wohnort war.

bei Rühlmann: 3ter v.l. Erwin Lägel.

1948 war in Zörbig kein Orgelbau mehr möglich, alle Mitarbeiter im Rentenalter oder im Krieg gefallen. Lägel trat in seiner Nähe, Magdeburg, bei Orgelbauer Felix Brandt in Dienst. Dieser war Intonateur bei Welte/Freiburg, dem Kinoorgelbauer und intonierte die Rundfunkorgel in Hamburg. Brandt und Lägel waren im ausgebombten Magdeburg nur als "Rucksackorgelbauer" unterwegs. 
So lernte Erwin Lägel alle verschiedenen Windladensysteme kennen, durch die Wartungen und Instandsetzen der versehrten Kriegsorgeln. Was Lägel an Intonation beim Rühlmannintonateur Gustav Busch nicht lernte, zeigte ihm Felix Brandt. Dieser starb sehr früh und überraschend, somit trat Lägel 1953 in die Firma A.Schuster&Sohn-Zittau, ein. Bis zum Renteneintritt war er Mitarbeiter und "unermüdlicher Außendienstmitarbeiter".  Soviel zu der Vorgeschichte.

Lägel als Lehrling bei Rühlmann - Zörbig.


Nach dem 2ten Weltkrieg fehlte es an allem, später noch an Firmen die Instrumente instandsetzen, reparieren oder Neubauten ausführen könnten. Rühlmann gab es nicht mehr, West-Firmen war es schwer auf sozialistischem Gebiet Orgeln zu warten. Die Gebrüder Schuster suchten händeringend um Mitarbeiter, übernahmen Herrn Lägel und begannen langsam im mitteldeutschen Raum sich einen Namen zu machen. Um 1965 hatte man schon lange Wartezeiten für Orgelmontagen oder Reparaturen und das bis zu 15 Jahre!!! Lägel war angeblich an 126 Orgelgeneralüberholungen und Umdisponierungen, 67 Orgelmontagen, 92 Windmaschineneinbauten und 128 Reparaturen an Harmonien beteiligt.

1992 Wallonerkirche Magdeburg, Erwin Lägel, Siegfried Schuster mit Frau.


Zu Orgelbauanstalt Schuster&Sohn-Zittau.

Kurzüberblick:

Andreas Schuster (1833-1918) gründete die Firma in Zittau 1869.

Andreas Schuster an der Orgel der Johanniskirche Zittau

Seine Söhne erlernten dasselbe Handwerk. Georg (1857-1936) und Ernst August (1860-1892). Der Erstgeborene Sohn, Georg, übernahm die Firma im Jahr 1900. Er war längere Zeit bei Marcussen/Dänemark beschäftigt. Sein Bruder Ernst August Schuster starb sehr früh. Es wurden "Schüsselladen" gebaut nach dem System Schiffner-Prag. (momentan noch keine erhaltene Orgel ausfindig gemacht, die, die erhalten sind, wurden zu Taschenladen umgerüstet) später wurden Pneumatische Kegelladen verwendet. Auch hier, die nördlichste Orgel der Firma damals in THAMMENHAIN bei Wurzen(1910). Georg hatte keine Nachkommen, dem jüngere Bruder waren zwei Söhne gegönnt die den Orgelbau in dem familiären Betrieb erlernten. Georg II Schuster (1887-1962) und Richard Schuster (1888-1970).
Richard, Georg II, stehend Siegfried und Gerhard Schuster 1937.


Beide führten den kleinen aber feinen Familienbetrieb in höchste Höhen. Es entstanden ab 1928 einige interessante und zum Teil große Instrumente. Viele mit "Freipfeifenprospekt" wie Gymnasium Zschopau, Zittau Frauenkirche, Spitzkunnersdorf. Seifhennersdorf IV-72 (1936) und Zittau Johanniskirche diese sogar ausgelegt auf III-100 waren die Marksteine. Nach 1945 dominieren Orgelprospekte mit Holzpfeifen, die letzte die damit ausgestattet wurde ist die Orgel der Stadtkirche in Bitterfeld.Übrigens auch hier, ein kompletter Neubau , die Rühlmann Orgel von 1909 op.318 wurde abgerissen. Die Holzpfeifen wurden aus der alten Orgel übernommen-Principal 16'. Dann der 2te Weltkrieg. Der erstgeborene Sohn von Georg II - Siegfried Schuster - arbeitete nach Kriegsdienst und Gefangenschaft dann bis 1947 bei Orgelbaufirma Kemper/Lübeck. Im Jahr 1953 übernahm man Erwin Lägel, ein weiteres Feld eröffnete sich, der mitteldeutsche Raum. 1963 übernahmen die Söhne von Georg II und Richard die Firma. Siegfried Schuster (1915-1994) und Gerhard Schuster (1918-1987). 

Gerhard und Siegfried Schuster an der neuen Orgel in Bitterfeld
 

Die Vettern leiteten die Firma gemeinsam bis 1987, ab diesem Zeitpunkt bis zu seinem Tod 1994 führte Siegfried Schuster die Orgelbaufirma alleine weiter.

Siegfried Schuster 1994 im Büro.

Nicht nur Herr Lägel wurde übernommen. Man disponierte und baute einige der Rühlmann Orgeln um. 

Hier einige augewählte Instrumente:

Erfurt Kaufmannskirche III-manualig

Orgel Kaufmannskirche Erfurt mit Schuster-Spieltisch

Zeitz Michaeliskirche III-manualig

Zeitz, Michaeliskirche,RühlmannOrgel mit Schusterspielti
sch

Wörlitz Parkkirche, Sandersdorf evangelisch, Sandersdorf katholisch, Rotta, Gräfenhainichen, Zeitz St Nicolai, Magdeburg St.Gertrud. Umsetzung Rühlmann aus Hohenedlau nach Berlin. um einige Projekte zu nennen. 

Rotta, Rühlmannorgel mit Schusterschen Rückpositiv

In der Kirche von Herrnhut bei Zittau wurde die Rühlmann Orgel opus 292 durch Kriegshandlungen 1945 zerstört und durch Schuster&Sohn 1957 neu erbaut incl. neuem Gehäuse mit Rückpositiv, welches heute wieder erweitert wurde von Eule/Bautzen.

Herrnhut, neue Orgel im Jahr 1957.





Mittwoch, 26. Juli 2023

GÖßNITZ bei Altenburg SCHUSTER&SOHN-ZITTAU

 Gößnitz bei Altenburg. Die historische Orgel von Johann Jacob Donati 1696-1698 erbaut, auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal kamen 12 klingende Stimmen.

Gößnitz, historischer Donati-Prospekt

Das historische Instrument wurde immer wieder geflickt, umdisponiert und vielleicht noch pneumatisiert um 1928, das konne ich noch nicht genau recherchieren. Letzte Reparatur muß um 1928 ausgeführt wurden sein. Dann passierte nichts bis 1977. Es ist noch etwas unklar. Man machte sich Sorgen, Organist und Gemeinde waren unzufrieden mit dem zerstreuten Instrument. In den frühen 1960er Jahren führte man Verhandlungen mit der Orgelbaufirma A.Schuster&Sohn in Zittau, welche kein VEB Betrieb war, aber mit 9 1/2 Personen immer kurz vor der Verstaatlichung stand, 10 Angestellte mußte man haben, dann wurde man "VEB". Die Firma hatte einen hervorragenden Ruf in der Scene für solide neue Orgeln und ordentliche Reparaturen. 
moderne Mechanik von Schuster-Zittau.

Das Vorhandene muß so schlecht und abgespielt gewesen sein, es gab auch schon zu DDR-Zeiten einen Denkmalschutz, wurde ein Orgelneubau geplant. Heute würde man auch das Schlechteste restaurieren, sicher mit zweifenhaften Erfolg, Damals war man da noch etwas fortschrittlicher.  Die Auftraggeber mußten bis zu 15 Jahre auf eine Orgel oder bis zu 10 Jahre auf eine Reparatur warten. Wahnsinn. 1977 war es so weit, Die neuen  Inhaber, Siegfried Schuster (*1915)

Orgelbaumeister Siegfried Schuster (c) Archiv Christian Schmidt

und sein Vetter Gerhard Schuster planten die neue Orgel im alten Gehäuse und meldeten 1978 deren Fertigstellung in der Firma an.
Gerhard Schuster (c) by Archiv Christian Schmidt

Siegfried plante alles neu, einen neuen Spielschrank, neue moderne Windladen mit Windladenbälgen, moderne Trakturführung (Schleifladen  und Abstrakten in Orgelbaufirma Schuster-Ausführung) . Die neue Disposition entwarf Herr Siegfried Schuster in enger Verbindung mit Organist Herr von Strauch.
Disposition Originalseite von Siegfried Schuster

Entgegen den gefundenen Dingen im Internetz das die Orgel umgebaut und erweitert wurden sein soll,  wurde alles neu Geschaffen. Die Holz und Metallpfeifen  komplett neu, die Spieltraktur neu, der Spielschrank im Stil von Siegfried Schuster- neu. Die alte Windmaschine war zu laut und wurde einige Jahre später auch gegen ein "Geschenk aus dem Westen"  einer Neuen, damals von Zulieferer Laukhuff, ausgewechselt. 
Spielschrank 1978 von Schuster&Sohn-Zittau

Moderne Windladenbälge in Verbindung mit einer tollen Mechanik lassen ein, auch heute noch, modernes Instrument sehen. Am Spielschrank feinste Ahorn-Registerzüge nach einem Design von Orgelbaumeister Siegfried Schuster. Die Registerbeschilderung ist modern, auf geschwärztem Alu in gefräster Frakturschrift.

Registerstaffel mit Ahornzügen.

Untertasten mit Ebenholz und Obertasten aus Knochen. Im inneren des Instrumentes bestechen die Orgelpfeifen in qualitätvoller Arbeit, die Registertraktur und die Stellagen der Laden sind in lackierten Stahl ausgeführt. Die Tontraktur, klassisch mit Holzabstrakten, die Wellen ausgeführt in Metall. Alles Bewegliche ist garniert und ausgetucht mit Filz und Kashmirtuch, die Wellen sind in Kunststofflinsen gelagert. Solide hergestellt, es klappert nach 45 Jahren nichts. Die Orgel in Gößnitz feiert in diesem Jahr 2023 ihr 45 jähriges Jubiläum im September. 
Posaune 16' und Feldtrompete 4'

Die geplanten Zungenstimmen wurden von Gieseke-Göttingen bezogen, die Schallkörper wurden von Firma Schuster hergestellt und funktionieren nach Wetterlagenstimmung tadellos. Auf Manual I dem Hauptwerk Trompete 8' im Oberwerk Krummhorn 8' im Pedal Posaune 16' und Feldtrompete 4'.

Oberwerk.

Die Principal 8' & 4' stehen im Prospekt der Donati Orgel, in poliertem Orgelmetall, nach 45 Jahren in edler Patina. Die Einzelstimmen bestechen  duch sehr schöne Intonation und Färbung. Besonders herrauszuheben ist, das bei 27 Registern auch ein 16' im Hauptwerk und greifende tragende 8' Register auf  Hauptwerk und Oberwerk. Den Principalbass 8' finde ich persönlich etwas zu schwach, aber das macht die Posaune weg, der Subbass 16' ist excellent tragfähig und kraftvoll. Ein beeintruckendes Instrument der DDR Zeiten 1978. welches einfach Spielfreude vermittelt.


Nebenan steht eine Silbermann Orgel die "gehyped" wird, die Schuster Orgel steht eher unbeachtet im Nachbarort. Für mein Verständnis hat die Orgel auch wenn sie 1978 erbaut wurde, etwas Ansprechendes, Fundamentales und Persönliches, welches das Instrument einem einfach macht, es fordert einen auf darauf zu spielen. Nicht belanglos sondern Fundamental.

Alle Bilder Copyrecht bei Archiv Christian Schmidt

Montag, 18. April 2022

Ergänzung zu Schönebeck Wolfgang Nußbücker Orgel 1988

 hier noch ein Nachtrag zum vorherigen Post. Bilder der Erbauungszeit 1986. Die Bilder stammen von der Orgelbaufirma Mecklenburger Orgelbau, Wolfgang Nußbücker, Inhaber Andreas Arnold, mit Sitz im mecklenburgischen Plau am See.

Stahlgerüst und innerer Aufbau


Stahlgerüst und Montage der Registertraktur
der Einbau des Spielschrankes

 
Gehäusemontage
Gehäusebau

 
vormontierter Orgeltorso
fertig montiertes Werk mit geschlossenem Brustwerk

 


 
Urheberrecht der Bilder bei Wolfgang Nußbücker!

Dienstag, 5. April 2022

SCHÖNEBECK 1988 Mecklenburger Orgelbau Nußbücker

 In der katholischen Kirche St. Marien in Schönebeck erbaute die Firma Wolfgang Nußbücker 1988 eine neue Orgel. Klanglich klassisch modern, moderat mit Zungenstimmen in jedem Werk besetzt, steht sie seit 1988 im seitlichen Kirchenschiff rechts neben dem Altarraum.

Schönebeck St. Marien


Die Klangabstrahlung ist für den sehr halligen Raum schwierig. Aber auch diese Aufgabenstellung wurde glänzend gelöst. Das genial modern entworfene Gehäuse wurde von Orgelbbaumeister Wolfgang Nußbücker selbst entworfen und sieht verdächtig ähnlich nach Formen von Designer Fritz Leweke, Halle, aus.  Es verspricht exklusive Klanglichkeit. Diese wird auch erhalten duch eine hervorragende Registerzusammenstellung der Orgelbaufirma. Im Hauptwerk dominieren die 8' Füße und Pommer 16' gibt eine fundierte Basis, Mixtur und Terz-Scharff geben strahlende Perfektion von sich. Getoppt wird das ganze durch eine obertonreiche Trompete 8' die dem ganzen Ensemble Führung verleiht. 
Nüßbücker Gehäuse-Entwurf 1988

Im Brustwerk, welches Schwellbar angelegt ist mittels Türen über dem Spielschrank, firmieren sich die 8 Füße zu einem kleinen Hauptwerk, Aliquotreich besetzt mit Quinte Terz und Nasat fehlt nix mehr am barocken Ganzen.....ein weiter 8' wäre hier noch wünschenswert.

Registerstaffelei 

Dulcian 8'- ein leise flötig klingender Streicher dient zu Begleitzwecken. Der Musette 8', ein dudelsackähnliches Register verleiht dem ganzen schon eine moderne Komponente und führt auch hier das Brustwerk an. Cymbel 3 fach kreischt ordentlich rein. Gibt von weiter weg gehört - einen mächtig strahlenden Glanz.

Schwellwerk Brustwerk

Die Spieltraktur ist einwanfrei ausgewogen und macht einfach nur Spass. Die Registerzüge sind ein wenig gewöhnungsbedürftig angeordnet. Das erfordert einige Zeit des Einspielens mit dem Instrument da keine freien Kombinationen vorhanden sind. Übersichtlich angeordnet sind sie allemal und machen Spass beim Spielen.
Spielschrank

Bemerkenswert ist die im Prospekt stehende Posaune 16' -- herrlich. Clarion 4' im Pedal gibt absolute Klarheit und macht bei Filmmusik Spass. Ein geiles Instrument der DDR Zeit mit zeitlosem Design. 1988 Schönebeck.

So hört sich es an: 2 Klangbeispiele:

 

"Gloria, Ehre sei Gott"

https://www.youtube.com/watch?v=8A-G8jJN1Pc

und  "Star Trek" Titelmelodie:

https://www.youtube.com/watch?v=7v9U0u_cpRU

alle Bilder © by Archiv Christian Schmidt

Orgelbaumeister NICOLAUS SCHRICKEL * EILENBURG

 Eilenburg´s Orgelbauerscene ist momentan noch nicht eingehend erkundet und es gibt zu wenig ungesichtete Artefakte in Archiven darüber. 3 O...