Gößnitz bei Altenburg. Die historische Orgel von Johann Jacob Donati 1696-1698 erbaut, auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal kamen 12 klingende Stimmen.
| Gößnitz, historischer Donati-Prospekt |
Das historische Instrument wurde immer wieder geflickt, umdisponiert und vielleicht noch pneumatisiert um 1928, das konne ich noch nicht genau recherchieren. Letzte Reparatur muß um 1928 ausgeführt wurden sein. Dann passierte nichts bis 1977. Es ist noch etwas unklar. Man machte sich Sorgen, Organist und Gemeinde waren unzufrieden mit dem zerstreuten Instrument. In den frühen 1960er Jahren führte man Verhandlungen mit der Orgelbaufirma A.Schuster&Sohn in Zittau, welche kein VEB Betrieb war, aber mit 9 1/2 Personen immer kurz vor der Verstaatlichung stand, 10 Angestellte mußte man haben, dann wurde man "VEB". Die Firma hatte einen hervorragenden Ruf in der Scene für solide neue Orgeln und ordentliche Reparaturen.
| moderne Mechanik von Schuster-Zittau. |
Das Vorhandene muß so schlecht und abgespielt gewesen sein, es gab auch schon zu DDR-Zeiten einen Denkmalschutz, wurde ein Orgelneubau geplant. Heute würde man auch das Schlechteste restaurieren, sicher mit zweifenhaften Erfolg, Damals war man da noch etwas fortschrittlicher. Die Auftraggeber mußten bis zu 15 Jahre auf eine Orgel oder bis zu 10 Jahre auf eine Reparatur warten. Wahnsinn. 1977 war es so weit, Die neuen Inhaber, Siegfried Schuster (*1915)
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| Orgelbaumeister Siegfried Schuster (c) Archiv Christian Schmidt |
und sein Vetter Gerhard Schuster planten die neue Orgel im alten Gehäuse und meldeten 1978 deren Fertigstellung in der Firma an.
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| Gerhard Schuster (c) by Archiv Christian Schmidt |
Siegfried plante alles neu, einen neuen Spielschrank, neue moderne Windladen mit Windladenbälgen, moderne Trakturführung (Schleifladen und Abstrakten in Orgelbaufirma Schuster-Ausführung) . Die neue Disposition entwarf Herr Siegfried Schuster in enger Verbindung mit Organist Herr von Strauch.
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| Disposition Originalseite von Siegfried Schuster |
Entgegen den gefundenen Dingen im Internetz das die Orgel umgebaut und erweitert wurden sein soll, wurde alles neu Geschaffen. Die Holz und Metallpfeifen komplett neu, die Spieltraktur neu, der Spielschrank im Stil von Siegfried Schuster- neu. Die alte Windmaschine war zu laut und wurde einige Jahre später auch gegen ein "Geschenk aus dem Westen" einer Neuen, damals von Zulieferer Laukhuff, ausgewechselt.
| Spielschrank 1978 von Schuster&Sohn-Zittau |
Moderne Windladenbälge in Verbindung mit einer tollen Mechanik lassen ein, auch heute noch, modernes Instrument sehen. Am Spielschrank feinste Ahorn-Registerzüge nach einem Design von Orgelbaumeister Siegfried Schuster. Die Registerbeschilderung ist modern, auf geschwärztem Alu in gefräster Frakturschrift.
| Registerstaffel mit Ahornzügen. |
Untertasten mit Ebenholz und Obertasten aus Knochen. Im inneren des Instrumentes bestechen die Orgelpfeifen in qualitätvoller Arbeit, die Registertraktur und die Stellagen der Laden sind in lackierten Stahl ausgeführt. Die Tontraktur, klassisch mit Holzabstrakten, die Wellen ausgeführt in Metall. Alles Bewegliche ist garniert und ausgetucht mit Filz und Kashmirtuch, die Wellen sind in Kunststofflinsen gelagert. Solide hergestellt, es klappert nach 45 Jahren nichts. Die Orgel in Gößnitz feiert in diesem Jahr 2023 ihr 45 jähriges Jubiläum im September.
| Posaune 16' und Feldtrompete 4' |
Die geplanten Zungenstimmen wurden von Gieseke-Göttingen bezogen, die Schallkörper wurden von Firma Schuster hergestellt und funktionieren nach Wetterlagenstimmung tadellos. Auf Manual I dem Hauptwerk Trompete 8' im Oberwerk Krummhorn 8' im Pedal Posaune 16' und Feldtrompete 4'.
| Oberwerk. |
Die Principal 8' & 4' stehen im Prospekt der Donati Orgel, in poliertem Orgelmetall, nach 45 Jahren in edler Patina. Die Einzelstimmen bestechen duch sehr schöne Intonation und Färbung. Besonders herrauszuheben ist, das bei 27 Registern auch ein 16' im Hauptwerk und greifende tragende 8' Register auf Hauptwerk und Oberwerk. Den Principalbass 8' finde ich persönlich etwas zu schwach, aber das macht die Posaune weg, der Subbass 16' ist excellent tragfähig und kraftvoll. Ein beeintruckendes Instrument der DDR Zeiten 1978. welches einfach Spielfreude vermittelt.
Nebenan steht eine Silbermann Orgel die "gehyped" wird, die Schuster Orgel steht eher unbeachtet im Nachbarort. Für mein Verständnis hat die Orgel auch wenn sie 1978 erbaut wurde, etwas Ansprechendes, Fundamentales und Persönliches, welches das Instrument einem einfach macht, es fordert einen auf darauf zu spielen. Nicht belanglos sondern Fundamental.
Alle Bilder Copyrecht bei Archiv Christian Schmidt


